Die Entstehung und Entwicklung des Muay Thai

Muay Thai – mehr als nur ein Kampfsport
Das Muay Thai blickt auf eine lange Tradition zurück. Der erste offizielle Kampf im Ring wurde 1921 ausgetragen – damals noch mit bandagierten Händen. Seit 1929 wird auch mit Handschuhen gekämpft. In der ursprünglichen Form, dem Muay Boran (Boran = traditionell oder alt), wurde noch viel mit Waffen gekämpft und erst auf Beine und Fäuste zurückgegriffen, wenn man keine Waffen mehr zur Verfügung hatte. Die heutige moderne Form hat sich dagegen in einen waffenlosen Sport entwickelt. Während in den ersten Jahren die Zeit pro Runde noch anhand von Kokosnussschalen festgelegt wurde bzw. der Zeit, die eine braucht um zu sinken, läuft der Sport heute professioneller ab. Je nach Liga besteht ein Kampf heute aus 2-5 Runden, die 2-3 Minuten dauern. Für einen Profikampf kann man daher mit Pausen etwa 30 Minuten einplanen.

Wai Khru Ram Muay – Verbindung zum traditionellen Kampf
Tradition ist eine tanzähnliche Zeremonie vor jedem Kampf. Der Kämpfer bewegt sich zu einer ausgewählten Musik tanzähnlich im Ring. Diese Melodie wird dann während des kompletten Kampfes wiedergegeben. Ziel ist es den Trainer zu ehren und sich aufzuwärmen. Er zollt der Familie, dem Sport und dem „Geist des Kampfes“ Respekt.

Volkssport und Faszination
In Thailand ist Muay Thai der Nationalsport schlechthin. Etwa 850.000 Menschen gibt es, die es zum Profikämpfer in Thailand geschafft haben. Die meisten unter ihnen stammen aus armen Bauernfamilien und hoffen durch hartes Training dem noch härteren Leben zu entkommen. Hat man es in die ganz großen Ligen geschafft, lässt es sich von dem Sport leben. Besonders verlockend sind hier die Stadien von Bangkok. Für die Top 10 gibt es hier Prämien von etwa 100.000 Baht – das entspricht einigen Tausend Euro und das nur fürs das Antreten. Da im Land das Glücksspiel außerhalb der Stadien verboten ist, fröhnen die Thais ihm dort umso mehr. Des weiteren findet Muay Thai in vielen Gefängnissen immer mehr Beliebtheit. Da die thailändischen Gefängnisse relativ voll sind, ist es zum festen Usus geworden, immer wieder Kämpfe besonders gegen Ausländer zu organisieren. Wer so seinem Gefängnis zu besserem Ruf verhilft, kann seine Haftstrafe mit nur wenigen Siegen um mehrere Jahre verkürzen.

Zahlreiche Variationen machen den Reiz aus
Doch nicht nur das große Geld lockt. Denn neben diesem bietet der Sport mehr. Nicht nur thailändische Profikämpfer perfektionieren verschiedene Stile das Muay Thai, auch immer mehr Amateure begeistern sich mittlerweile für den waffenlosen Kampf oder das Krabi Krabong (Kampf mit Kurz- oder Langwaffe). Unterschieden werden hier zum Beispiel Krabi (Degen), Daab (Schwert), Plong oder Sri Sock (Stock) oder Loh (Schild). Denn neben blauen Flecken hat der Kampfsport noch vieles mehr zu bieten. Wie etwa eine hervorragende Fitness, mehr Körperbewusstsein und gestärktes Selbstbewusstsein. Wer regelmäßig trainiert nutzt sein selbstsicheres Auftreten zudem zur Gewaltprävention und Selbstverteidigung. Nicht nur daher erfreut sich das Frauenthaiboxen immer größerer Popularität. Auch Sportler außerhalb des Landes pilgern inzwischen zum Training in Thailand.

Vieles ist erlaubt, doch längst nicht alles
Der Ruf besonders brutal zu sein, eilt dem Kampfsport voraus. Und nicht zuletzt durch die Käfigkämpfe in Martial Arts-Filmen verbreitet sich dieser Ruf immer mehr. Jedoch ist längst nicht alles erlaubt. Durch den harten und regelmäßigen Einsatz von Ellbogen und Knie kommt es zwar zu der einen oder anderen Verletzung und sicher ist schon mehr als ein Kampf gleich zu Beginn durch einen gezielten Schlag gegen den Kopf beendet worden, doch auch hier gibt es Grenzen. Während Kopfstöße in der Urform noch erlaubt waren, sind diese inzwischen verboten. Des weiteren darf nicht nachgeschlagen werden, wenn der Gegner am Boden liegt oder kniet. Auch Schlag und Tritttechniken in die Genitalien, gegen den Hinterkopf, das Knie oder den Unterleib sind offiziell verboten. Durch eine große Auswahl an Gewichtsklassen vom Halbfliegengewicht (43-48kg) bis zum Superschwergewicht (über 91kg) wird der Sport nicht nur von Männern praktiziert, auch das Frauenthaiboxen erfreut sich weltweit zunehmend an Beliebtheit, denn durch die Praktiken zur Gewaltprävention und Selbstverteidigung fühlen sich viele Frauen sicherer und stärker.

Nationalheld

Nai Khanom Tom ist Thailands nationaler Held. Bereits im Alter von 8 Jahren begann er mit seinem harten Training. Er hatte solch große Freude an dem Sport, dass er jedes Fest nutzte, um an Wettkämpfen teilzunehmen. Wenig später wurde er zum Kampf gegen die Burmesen bei der Rückgewinnung von Ayudhaya von König Taksin einberufen. Die Schlacht wurde gewonnen, doch Nai Khanom Tom wurde gefangen genommen. Der König von Burma König Ung Wah bot ihm einen Handel an. Solle er gegen 10 burmesische Krieger gewinnen, bekäme er seine Freiheit wieder. Er siegte und kehrte als Volksheld in die Heimat zurück. Hier gibt es heute noch ihm zu Ehren einen Feiertag. Jedes Jahr am 17.März feiert man die siegreiche Heimkehr.

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